Dieses Werkspaar von Giuseppe Caselli (1893-1976) bietet eine wunderbare Synthese seiner Poetik, die tief mit dem ligurischen Land und dem Golf der Dichter verbunden ist. Caselli war einer der authentischsten Interpreten der Landschaft von La Spezia, der sowohl die Lyrik nächtlicher Atmosphären als auch die dramatische Kraft des tobenden Meeres beherrschte.
Analyse der Werke
1. Nachtmarine (Mondschein)
Das erste Gemälde fängt einen Moment absoluter Ruhe ein. Die Komposition wird von kühlen Blau- und Grautönen dominiert, wobei Mondlicht die Wasseroberfläche horizontal durchschneidet und eine lebendige silberne Reflexion erzeugt.
Schlüsselelemente: Im Vordergrund ragen die charakteristischen Silhouetten von Pinien mit dunklen, synthetischen Pinselstrichen auf. Im Hintergrund sind die Konturen der Hügel des Golfs und einige Segelboote zu erkennen, die vor Anker liegen.
Stil: Hier verwendet Caselli eine flüssigere, fast träumerische Farbauftragung, die ein Gefühl der Einsamkeit und Kontemplation hervorruft, typisch für seine intimsten Werke.
2. Sturmmarine (Felsenküste mit Tino und Palmaria)
Das zweite Gemälde zeigt die energiegeladenere und materiellere Seite des Künstlers. Es stellt eine Felsenküste auf der linken Seite dar, während sich auf der gegenüberliegenden Seite die Umrisse der Inseln Tino und Palmaria abzeichnen, während ein unruhiges, schäumendes Meer an die Küste schlägt.
Technik: Der Pinselstrich wird dicht, fast nervös. Caselli verwendet Weiß und Aquamarin mit schnellen Strichen, um die unaufhörliche Bewegung der Wellen und die Zerstäubung des Wassers gegen die Felsen darzustellen.
Zeit: 1950er Jahre
Abmessungen: 82 x 62 cm mit Rahmen, 70 x 50 cm nur Leinwand
Biographische Notizen zu Giuseppe Caselli
Giuseppe Caselli ist eine zentrale Figur der Kunstszene von La Spezia im 20. Jahrhundert.
Ausbildung: Als Schüler von Felice Del Santo bildete er sich in einem Umfeld aus, in dem strenge Zeichnung die Grundlage von allem war. Anschließend besuchte er die Akademie der Schönen Künste in Florenz und kam so mit den post-macchiaiolischen Strömungen und den Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts in Kontakt.
Die Kriegserfahrung: Während des Ersten Weltkriegs geriet er in Kriegsgefangenschaft und wurde im Lager Mauthausen interniert. Diese Erfahrung prägte seine Sensibilität zutiefst und veranlasste ihn, eine Reihe von rohen und berührenden Zeichnungen anzufertigen, die das Leben der Gefangenen dokumentieren.
Die Bindung an die Region: Nach seiner Rückkehr nach La Spezia wurde er zum Maler der "Wirklichkeit". Er nahm aktiv am kulturellen Leben der Stadt teil und stellte oft beim Premio del Golfo aus. Seine Malerei war nie eine bloße Postkarte; Caselli suchte nach der Seele der Orte und studierte die Lichtvariationen von La Spezia zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Stil: Obwohl er vom Divisionismus und teilweise vom Futurismus beeinflusst war (er nahm tatsächlich an der Ausstellung von 1933 teil, die von Marinetti in La Spezia organisiert wurde), behielt Caselli stets seine stilistische Unabhängigkeit. Seine Malerei ist eine Malerei von Licht und Materie, die sich durch den gekonnten Einsatz von Spachtel und einem farbbeladenen Pinsel auszeichnet.
Diese beiden Gemälde repräsentieren perfekt das Duo, auf dem seine gesamte Arbeit beruht: die aufmerksame Beobachtung der Realität und ihre emotionale Verklärung durch Farbe.