XVII Jahrhundert, Emilianische Schule
Venus, Amor und Taube
Öl auf Leinwand, 98 x 73,5 cm
Mit Rahmen, 113 x 89 cm
Der stolze und rätselhafte Blick, der dem Betrachter zugewandt ist, die sinnlich anzügliche Pose sowie das Vorhandensein einer Taube und eines kleinen Putto, der als Amor identifiziert wird, ermöglichen es, in dieser rätselhaften Frauengestalt die Züge der Venus, der Göttin der Liebe und der Schönheit, zu erkennen.
Der Autor des vorliegenden Werkes ist ein Künstler, der der emilianischen Malschule des 17. Jahrhunderts angehörte. Aufgrund kompositorischer und formaler Evidenz kann man sagen, dass der Maler vom Einfluss Carlo Cignanis (Bologna 1628 - Forlì 1719) beeinflusst wurde, einem berühmten Schüler von Francesco Albani und einem der angesehensten Meister des emilianischen Seicento, der mit seiner Venus und Amor, die heute in der Galleria Sabauda in Turin aufbewahrt wird, dem vorliegenden Gemälde sehr nahekommt. Als Verbreiter einer Sprache, die den Kanons des Bologneser Klassizismus der Carracci treu ist, erwarb und vertrat Cignani immer barockere Formen und erreichte 1710 die Ernennung zum Prinzen der Accademia di San Luca. Er war in Bologna, dann in Parma tätig und verbrachte die letzte Periode seiner Karriere in Forlì, wo er den Kreis seiner Schüler erweiterte, die ihrerseits maßgeblich an der Kodifizierung des spätseicentesken und neosettecentesken Geschmacks in der gesamten Emilia beteiligt waren.
In Bezug auf das vorliegende Gemälde ist es unmöglich, Vergleiche zu den heroischen Frauen, die von Elisabetta Sirani und ihrer Werkstatt von Schülerinnen gemalt wurden, zu ziehen, die im psychologischen Typus und in den angewandten Techniken gelobt wurden, um im vorliegenden Fall die Volumina des Fleisches zu formen und Federn und zerknitterte Gewänder von Figuren und Tieren herauszuarbeiten.
Die stichhaltigen Vergleiche mit dem zu untersuchenden Gemälde reichen von der Venus mit Amor des genannten Sirani (Sammlung BPEr Banca), die pomphafter im Barockstil gehalten ist, bis zur Venus und Amor von Gianandrea Sirani, dem Vater von Elisabetta, die heute in einer Privatsammlung aufbewahrt wird. Eine ähnliche figürliche Behandlung, wenn auch in einer lieblicheren und weniger entschiedenen Darstellung als der vorliegenden, findet sich in der Venus mit Amor und Putten eines anonymen Bologneser Künstlers aus dem 17. Jahrhundert wieder, der die gleiche kulturelle Atmosphäre wie unser Künstler teilte. Wenn Marcantonio Franceschini sich diesen Kanons mit einem analogen Gemälde in einer Privatsammlung anschließt, erreicht er mit dem Gemälde Pomona (Privatsammlung) und Venus und Amor (G.M.B. Vignola, Emilia Romagna) Ergebnisse, die dem vorliegenden Werk absolut ähnlich sind.